{"id":1406,"date":"2019-05-13T13:32:02","date_gmt":"2019-05-13T13:32:02","guid":{"rendered":"http:\/\/goodspace.villa-merkel.de\/?p=1406"},"modified":"2019-05-14T14:43:07","modified_gmt":"2019-05-14T14:43:07","slug":"interview-andreas-baur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/goodspace.villa-merkel.de\/?p=1406","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Rotis SemiSans Pro; font-size: medium;\">Die St\u00e4dtische Galerie Esslingen zeigt <strong><i>Good Space \u2013 Communities, oder das Versprechen von Gl\u00fcck<\/i>:<\/strong> 14 Positionen vor allem j\u00fcngerer internationaler Gegenwartskunst. Galeriechef Andreas Baur erl\u00e4utert die Schau, die im Viererteam konzipiert wurde. Die Fragen stellt Petra Mostbacher-Dix f\u00fcr das Stuttgarter Magazin SuR (Heft 52, Sommer 2019).<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Das gesamte Interview k\u00f6nnen Sie <a href=\"http:\/\/goodspace.villa-merkel.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/SuR_Interview_Mai.pdf\" target=\"_blank\"><strong>hier herunterladen.<\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Good Space soll Ausstellungsessay sein&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Ja! Es geht weder um ein soziologisches Projekt, noch wird kulturhistorisch dargelegt, wie sich der Begriff Gemeinschaft gewandelt hat. \u201eGood Space\u201c ist ein spielerisch sinnlicher und erfahrungs-intensiver Ausstellungsparcours. Er zielt auf punktuelle, tiefgreifende Auseinandersetzungen und das Erleben von Wir-Gef\u00fchlen auf unterschiedlichste Weisen. Da geht es um Faszinationen f\u00fcr die Architekturen fiktiver Gemeinschaften in abgelegenen Gebieten, frei von den Zw\u00e4ngen st\u00e4dtischer Ordnung. Oder um Architekturen von Macht, wobei die Folgen des Kolonialismus f\u00fcr die angestammten Gesellschaften thematisiert und deren Konsequenzen protokolliert werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das hei\u00dft?<\/strong><\/p>\n<p>Die Idee, unser Leben sei frei, selbstbestimmt und voller M\u00f6glichkeiten zur Selbstverwirklichung, wird als ein vermeintlich allgemeing\u00fcltiges Gl\u00fccksversprechen infrage gestellt. Wir werden etwa aufgefordert, das Recht der Tiere auf ein selbstbestimmtes Leben uneingeschr\u00e4nkt zu respektieren, womit das Mensch-Tier-Verh\u00e4ltnis \u00fcberhaupt in den Fokus r\u00fcckt. Wir werden Zeugen paradoxer Beziehungsszenen, von Wohnkonzepten im Kontext brutalistischer Architekturen, bekommen Hinweise, dass Filme nicht nur im Kinosaal f\u00fcr starke Gemeinschaftserlebnisse sorgen. Auch begleiten wir die kleine, isolierte Gemeinschaft einer U-Boot-Besatzung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Docken Sie an die Schau von 2016 an?<\/strong><\/p>\n<p>Damals stand das Potenzial der st\u00e4dtischen Brachen und ungenutzter R\u00e4ume im Fokus. Nun wird gefragt, wie diese belebt werden, das Zusammenleben und das Funktionieren von Gemeinschaften thematisiert. Seit 2016 haben sich unsere Gesellschaften durch Zuwanderung und Migration, insbesondere durch die politischen Reaktionen darauf erheblich ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gl\u00fc<\/strong><strong>cksb<\/strong><strong>\u00fccher sind Bestseller. Wie k<\/strong><strong>\u00f6<\/strong><strong>nnen Communities begl\u00fccken, trotz Wohnraummangels und Rechtspopulismus?<\/strong><\/p>\n<p>Die Frage nach dem Gl\u00fcck ist auch eine Art Gesch\u00e4ftsmodell, gerade die Ratgeber-Literatur. Da wird ein schier endloser Sehnsuchtshorizont aufgezogen. Diesem Trend machen wir uns nicht gemein. Gesellschaftliche Vielfalt realisiert sich nicht in Gestalt unverbundener, monokultureller Inseln, vielmehr in Kontakt, Austausch, Miteinander. Der Zusammenhalt von Gemeinschaften zeichnet sich durch Verbindendes aus, seien dies geteilte Wertvorstellungen oder Identit\u00e4tsentw\u00fcrfe, Normen oder Regeln. Diesem inh\u00e4rent ist immer auch Ab- und Ausgrenzung. Die Frage, was das \u201eWir\u201c bestimmt, ist brisant \u2013 auch politisch. Unser Ausstellungsessay versteht sich als Pl\u00e4doyer f\u00fcr ein Miteinander, das durch Neugier, Respekt und Wertsch\u00e4tzung geleitet ist, Bed\u00fcrfnisse st\u00e4ndig neu definiert und Differenzen aushandelt. Damit stiftet er vielleicht tats\u00e4chlich eine Basis f\u00fcr nachhaltiges und sicher friedvolles Zusammenleben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zu sehen ist das in der Villa Merkel und deren Park, im 19. Jahrhundert gebaut als Residenz eines Industriellen, und in einem Teil der nahen EAW Hallen, fr\u00fcher Heimat der K<\/strong><strong>\u00f6<\/strong><strong>niglich W\u00fcrttembergischen Eisenbahnwerkst\u00e4tten. Wie schwer ist es, solch ein Tableau mit Biennale-Potenzial zu bespielen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Hallen sind herausfordernd, ein sehr spezieller Spielort: unrenoviert, ruppig\u00a0\u2013 beeindruckend. Wir wollen ihn nicht verstellen, gehen entsprechend zur\u00fcckhaltend damit um. Wo aber die Projektoren aufh\u00e4ngen? Wie die Lichtverh\u00e4ltnisse optimieren? Wo k\u00f6nnen wir eine kleine Cafeteria einrichten? Was wird dort angeboten, etwa eingeweckte Alb-Linsen oder Gem\u00fcses\u00fcppchen im Glas? Wer ist bereit zum Schulterschluss, um Begleitveranstaltungen zu realisieren? Etwa Musik, die vielf\u00e4ltig Gemeinschaften stiftet bis hin zum Nachhall, der Konzertbesucherinnen und -besucher noch lange danach verbindet. Die Ausstellung wird uns sicher selbst wie das Publikum \u00fcberraschen. Darauf freuen wir uns sehr. Nebenbei sind dort R\u00e4ume erlebbar, die mit der Industriegeschichte der Stadt und des gesamten S\u00fcdwestens verbunden sind; Teil eines Kulturraums, der bis heute gepr\u00e4gt ist durch unterschiedlich motivierte Zuwanderung und die Koexistenz verschiedenster Communities.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die St\u00e4dtische Galerie Esslingen zeigt Good Space \u2013 Communities, oder das Versprechen von Gl\u00fcck: 14 Positionen vor allem j\u00fcngerer internationaler Gegenwartskunst. Galeriechef Andreas Baur erl\u00e4utert die Schau, die im Viererteam konzipiert wurde. Die Fragen stellt Petra Mostbacher-Dix f\u00fcr das Stuttgarter Magazin SuR (Heft 52, Sommer 2019). 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